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Hello Moment - Auch manchmal Schiss du selbst zu sein?


Komplimente sind wie Zucker für unsere Seele, positive Sätze wie Eiscreme fürs Gehirn. Das Bedürfnis nach Anerkennung/Beliebtheit reicht vom Kindergarten bis in unseren heutigen Alltag. Wer hört nicht gerne ein Kompliment oder etwas Nettes? Das tun wir doch alle. Wir Menschen sind soziale Wesen, brauchen Beziehungen, wollen anerkannt und geliebt werden.

Aber ist es nicht auch normal, dass man nicht bei jedem beliebt sein kann? Das einen nicht alle gut finden können? Wir es nicht allen recht machen können? Wir vielleicht zu hohe Erwartungen haben und dabei gar nicht mehr wir selbst sein können?

Ich habe viele Jahre dafür gebraucht zu akzeptieren, dass mich nicht jeder lieben, mögen oder gut leiden kann und ich auch nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Das führte oft zu Frustration, zu inneren Konflikten, die ich heute nicht mehr haben möchte, zumindest nicht in diesem Ausmaß. In meiner Wahrnehmung war ich nicht wertig genug, wenn mich jemand z.B. nicht leiden konnte, ich verliebt war, aber derjenige nicht in mich, ich keine guten Noten geschrieben habe oder jemand nicht mit mir einer Meinung war. Das beschäftigte mich, lies mich nicht los, denn ich wollte doch beliebt sein, etwas wert sein, anerkannt sein.

Mein Ideal, die perfekte Person: gutaussehend, immer gut drauf, erfolgreich, witzig, beliebt, für jeden gleich da, immer ein beliebter Gesprächspartner, eine Frau mit der man Pferde stehlen kann, die Beruf und Familie locker, ohne Hilfe, in Einklang bringt und die bei all dem sonstigen Lebenshalligalli um uns herum noch eine wahnsinns Gelassenheit ausstrahlt…

Wow, tolle Frau, mega Maske, bloß nicht auffliegen. Wenn ich ehrlich bin, eine Maske aufzusetzen, nur um Menschen zu gefallen, die mit mir sowieso nichts anfangen können, im Zweifel nicht ehrlich mit mir sind, oberflächlich daherkommen, selbst Marionetten ihres eigenen Lebens sind und wahrscheinlich überhaupt nicht zu mir passen - puhh, das ist mir inzwischen viel zu anstrengend.

Hast du dich schon mal gefragt, was dich daran hindert du selbst zu sein?

Neben unseren Erfahrungen, dem Gelernten aus Kindheitstagen, das immer wieder unbewusst zum Vorschein kommt, spricht unser innerer Kritiker zu uns. Kennst du den? Er spricht immer genau dann zu uns, wenn er uns vor etwas schützen möchte. Der innere Kritiker, ein Verbündeter der Angst, der uns davor bewahren möchte unvernünftig zu sein, uns angreifbar zu machen, unangenehm aufzufallen, der uns nichts zutraut und uns bei vielen Dingen den Spaß verdirbt. Grob beschrieben sagt er uns: „Sei bitte nicht authentisch, die mögen dich sonst nicht!“ – Klingt ganz schön deprimierend, nicht wahr? Aber eigentlich steckt dahinter NUR die gute Absicht des Selbstschutzes.

Also ist es OK, nicht authentisch zu sein?

NEIN!!! Aber wenn du dein wahres Selbst erkennen möchtest, musst du dich mit deinen Ecken und Kanten auseinandersetzen, deine Stärken und deine Schwächen kennen, sie akzeptieren, ihnen eine Stimme geben, sie in deinem Leben integrieren. Dazu gehört es, deinen inneren Kritiker anzuhören, ihn liebevoll anzunehmen und die positive Absicht zu erkennen. Das stärkt dein Selbstvertrauen.

Is klar, oder?

Ein Patentrezept gibt es dafür nicht, aber dafür wirklich viele gute Ratgeber. Wir sind alle individuell, haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, sind in anderen Welten groß geworden, haben die unterschiedlichsten Sichtweisen und können flexibel wählen, was gut für uns ist, das Beste vom Kuchen aussuchen. Das bedeutet aber nicht, dass das immer bequem ist, sondern erfordert Arbeit und Willenskraft. Ich möchte mit dir teilen, woran ich täglich arbeite. Was mir hilft in meiner Mitte zu bleiben. Vielleicht inspiriert dich das.

  • Erkenne, was du ändern möchtest und lebe das. Wir verändern und entwickeln uns ständig weiter. Das Lernen oder das Ändern wird nie aufhören. Lebe also dein Ändern.

  • Erkenne deine eigenen Werte und handle nach ihnen. Nur wer sich selbst erkennt, hat auch die Möglichkeit an sich zu arbeiten, sich zu verändern, sich anzupassen, ohne sich dabei zu verbiegen.

  • Sei bereit Menschen mit ihren „Fehlern“ zu akzeptieren. Wertschätzend deinem Gegenüber zu sein, auch wenn dieser Mensch anders denkt und handelt als du. Das Positive zu sehen, auch in den Dingen, die erst mal nicht positiv erscheinen. Die friss oder stirb Methode hinterlässt ihr G‘schmäckle „Wer nicht so denkt wie ich, kann mich mal“. Das ist a) nicht besonders wertschätzend und b) macht auf Dauer einsam.

  • Hinterfrage deine Motive und Gefühle, wäge ab, warum du etwas tust und was dein Ziel ist. Nur wenn du dir deiner Sache sicher bist, strahlst du das auch aus.

  • Setze dich mit deinen Grenzen auseinander. So lernst du diese besser einzuschätzen, Prioritäten zu setzen und dir dabei selbst treu zu bleiben. Gestehe dir zu Fehler machen zu dürfen und trotzdem stolz auf dich zu sein.

  • Lege nicht alles auf die Goldwaage, sondern mach dich, wie ich gelernt habe, „cremig“. Nimm Kritik liebevoll entgegen und respektiere, dass du es nicht jedem Recht machen kannst. Es wird immer jemanden geben, der was zu motzen hat, die Stimmung stört, mit den Augen rollt, ein langes Gesicht zieht, dich nicht sexy findet oder dich vielleicht nicht leiden kann. Nimm das nicht persönlich. Du kannst jedem nur vor die Birne schauen. Wahrscheinlich hat das meiste nicht mal etwas mit dir zu tun. Lass dich davon nicht verunsichern, sondern sei achtsam mit dir, vertraue deiner Intuition, gönne dir Zeit, um tief durchzuatmen und dich zu erden.

  • „Störungen“ wird es immer geben, bleibe realistisch: deine Tagesform ändert sich ständig (schlecht geschlafen, Krankheit, Ärger, Stress…) und die deines Umfeldes auch, erinnere dich immer wieder daran. Es ist unnatürlich, wenn dir oder anderen täglich die Sonne aus dem Arsch scheint. Akzeptiere auch das, nimm an, was nicht zu ändern ist und ändere das was du ändern kannst. Gib dir die Zeit, die du brauchst. Deinen Weg in deine Mitte zu finden und sie hin und wieder zu verlieren ist ganz normal, einen Schritt rückwärts zu gehen um zwei Schritte vorwärts zu kommen und dich nicht von den Erwartungen, Trends oder Vorlieben anderer abhängig zu machen oder zu verunsichern, ist nicht leicht, aber erleichtert, nimmt Druck heraus.

Wir wollen alle anerkannt und geliebt werden, gesehen werden. Wir wollen in Verbindung mit anderen sein, Freundschaften aufbauen, Kontakte, Beziehungen. Das ist menschlich, das ist das Leben. Es erfordert aber, neben allen Ratschlägen und dem eigenen Willen, sehr viel Mut uns so zu zeigen wie wir sind, uns verletzlich zu zeigen und damit möglicherweise angreifbar zu machen. Es erfordert Mut, Haltungen infrage zu stellen und andere Sichtweisen annehmen zu können, uns überraschen zu lassen von dem großen Unbekannten des Lebens.

In diesem Sinne, you‘re enough!

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Hello Moment. Yoga.